Niko Nikolaidis

Niko Nikolaidis – Hannovers Nachwuchskünstler 

Er ist Hannovers Nachwuchstalent. Es ist kaum mehr als ein Jahr her, als Niko Nikolaidis mit der Kunst begonnen hat. Seitdem hat er schon in Miami und New York ausgestellt. Zahlreiche Hannoveraner Lokalitäten zieren seine Kunstwerke. Jetzt bereitet er den Umzug in ein größeres Atelier vor, wo er erst seit ein paar Monaten überhaupt eines hat – das ist aber jetzt schon zu klein geworden. Und als würde das nicht schon reichen, hat er nun noch eine Modelinie auf den Markt gebracht. TOP Hannover hat ihn in seinem Atelier zum Interview besucht und interessante Blicke auf die Welt aus den Augen eines Jungkünstlers erhalten. 

Das Interview mit Niko Nikolaidis

Wie bist du zur Kunst gekommen?

Niko Nikolaidis in seinem Atelier

Foto: Elena Otto

Ich habe schon immer gemalt. In meiner Kindheit habe ich mit meinen Brüdern oft ein Wettmalen veranstaltet. Das hat sich bis in die Oberstufe im Gymnasium hingezogen. Irgendwann sagte eine Lehrerin: „Ihr drei habt Talent!“ Nach dem Studium habe ich 2015 meinem Freund zum Geburtstag ein Bild gemalt, weil mich Graffiti-Sprayer auf diese Idee gebracht hatten. Er sagte dann zu mir: „Niko, schmeiß deinen Job und verfolge dein Talent!“ Ich war hin- und hergerissen. Aber der klassische Berufsalltag – das war nicht ich! Dann habe ich begonnen, mich nebenbei nach Kunstgalerien umzuschauen. Nach einem Monat kam ein Anruf aus einer Hamburger Galerie, wohin ich eingeladen wurde. Zwei Wochen später, im November, kam ein erneuter Anruf: „Niko, du musst wieder nach Hamburg kommen. Wir haben gute Nachrichten, die wir dir am Telefon nicht mitteilen können.“ Die Nachricht war: „Wir haben eine Zusage, dass du auf der SCOPE in Miami ausstellen darfst.“ In die USA zu gehen, war immer mein Traum. Erst zwei Wochen nach der Ausstellung habe ich realisiert, dass ich wirklich auf der SCOPE in Miami ausgestellt habe. Ich habe mich gefühlt wie Alice im Wunderland. Ich wollte da nicht mehr raus! Seifenblasen können zerplatzen, aber es war kein Traum. Im Januar kam ein erneuter Anruf: „Deine Bilder kommen in den USA sehr gut an. Im März darfst du in New York ausstellen.“ Die Geschichte kommt mir selber manchmal unglaublich vor, denn all das ist gefühlt von heute auf morgen passiert. Vor gerade mal einem Jahr hat sich mein Leben komplett gedreht. Wenn ich daran zurück denke, bekomme ich noch immer Gänsehaut. Die Kunst lag mir und meinen Brüdern im Blut, wir sind damit geboren. Sie war aber eher ein kleiner Kokon und der Schmetterling ist jetzt erst geboren. Die Kunst hat mir gezeigt, dass Träume nicht Träume bleiben müssen.

Niko Nikolaidis vor seinem AtelierMusste sich der Niko Nikolaidis Stil erst entwickeln?

Ich habe schon immer das Kontrastreiche geliebt. Nicht nur zwischen Farben, sondern zum Beispiel auch zwischen Reichtum und Armut, Ablehnung und Akzeptanz oder Leben und Tod. Zu Anfang waren meine Bilder noch dunkler und haben verstärkt Totenkopf-Motive abgebildet. Heute sind sie fröhlicher, schriller, bunter, poppiger und knalliger. Ich bin heute freier, denn ich weiß, dass es von alleine läuft. Egal was ich male: Das bin ich. Ich verteile mein Ich der ganzen Welt. Jetzt traue ich mich, mich visuell darzustellen und mich meiner Kunst ohne Denken hinzugeben. Ich habe meine Skepsis verloren. Ich komme aus mir heraus und bin frei. In diesem Atelier gibt es keine Grenzen – die bleiben draußen.

Was inspiriert dich dazu, deine Bilder so zu malen?

Das Klingeln meines Weckers, das Aufstehen, der Weg zur Arbeit. Bis ich die Tür zu meinem Atelier öffne – alles. Die Zeitung, Autos, eine S-Bahn, Menschen. Ich habe gelernt, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen. Es ist ein neuer Horizont. Es ist wie Fliegen –  und in meinem Atelier lande ich. Und alles, was ich beim Fliegen mitgenommen habe, bringe ich hier auf die Leinwand. Wenn ich das nicht machen würde, würde Chaos in meinem Kopf entstehen.

A propos Chaos: Hast du kreative Blockaden und wie löst du sie?

Blockaden entstehen bei mir, wenn ich mir zu viel vornehme. Mit der Kunst habe ich gelernt, mir Zeit zu nehmen. Am Anfang hatte ich einige Blockaden, weil ich so viele Ideen hatte, die ich direkt auf die Leinwand bringen wollte. Aber ich habe mir dafür keine Zeit gelassen. Das können viele nicht mehr: Sich wirklich Zeit nehmen, etwas zu machen. Jeder hat irgendeine Leidenschaft. Meine Leidenschaft ist das Malen. Wenn man seiner Leidenschaft nicht genügend Zeit gibt, kann sie sich nicht entfalten.

Ist deine Heimat Hannover auch in deinen Bildern wiederzufinden?

Niko Nikolaidis - Vernissage im Helmkehof

Foto: Bastian Henneberg

Hannover inspiriert mich, weil ich großes Potenzial in dieser Stadt sehe, mehr aus sich heraus zu holen. Vielen Leuten gefällt Hannover, aber dennoch gibt es immer etwas auszusetzen. Ich möchte den Horizont der Hannoveraner erweitern. Ihnen zeigen, dass man noch viel erreichen kann. Ich habe das Gefühl, Hannoveraner schränken sich oft selbst ein, weil sie Angst oder Befürchtungen haben, andere könnten schlecht darüber urteilen. Aber Hannover ist wunderschön! Es gibt so viele Atmosphären auf so „kleinem“ Raum. Es wird noch etwas dauern, aber ich denke, langsam werden die Menschen hier offener. Ich glaube, Kunst ist einer der besten Wege, ohne viel Diskussion das Bewusstsein der Menschen zu erweitern, dass Hannover toll ist. Ich möchte die Grenzen hier öffnen. Nicht nur in Sachen Kunst, sondern auch in der Mode, mit Vernissagen und so weiter. Ich will hier etwas verändern. Und die Kunst hat mir gezeigt, wie. Vor allem in einer bis jetzt so zurückhaltenden Stadt wie Hannover. Hamburg, Köln, Berlin, München – wir kommen!

Was ist Kunst für dich? 

Kunst ist für mich eine Möglichkeit, Dinge zu tun, über die man nicht nachdenkt. Man kann sich schöpferisch so entfalten wie sonst nirgendwo. Du entscheidest, was passiert und keiner sagt „Nein“. Kunst ist Freiheit. Diese zwei Hände entscheiden, wohin es geht. Unsere Hände sind ohnehin für Größeres geschaffen. Wenn ich male, fühle ich alles und nichts. Es ist wie ein schwarzes Loch, aus dem ich nicht heraus möchte. Du gehst darauf zu und du bist weg. Du siehst nur noch das Bild. Das sind die besten Momente. Mit Worten kann man das gar nicht beschreiben.

Was möchtest du mit deiner Kunst bewegen?

Ich bin in einer Großfamilie aufgewachsen und habe dadurch gemerkt, dass alles perfekt ist, weil ich so viele Menschen und Liebe um mich habe. Gerade das macht es aber auch so leicht, alles zu verlieren. Ich finde, die Menschen haben das Bewusstsein verloren, zu schätzen, was man hat.  Auch den Luxus. Wenn ich sterbe, nehme ich nichts in den Tod mit. Ich möchte den Leuten mit meinen Bildern zeigen, dass alles vergänglich ist – deshalb spiele ich gerne mit der Totenkopf-Symbolik, die ich immer im Kontrast zum bunten Leben darstelle.

Was sind deine Ziele?

Ich möchte die Welt bereisen. Nicht nur bereisen, sondern auch etwas da lassen. Ich möchte, dass die Welt meine Stories, meine Intentionen und meinen Lebenswillen sieht und dass dies auf andere abfärbt. Ich habe so viele lustlose Menschen kennengelernt. Dann habe ich sie hergeholt und sie haben angefangen zu malen. Ich möchte den Leuten zeigen, dass es nicht nur Malen ist. Es ist sich mit den innersten Emotionen zu befassen. Keiner macht das. Keiner traut sich, tief in die Seele zu blicken. Warum? Weil das Probleme gibt. Aber wenn du weißt, wie du mit diesen Problemen umgehen kannst, dann kannst du alles schaffen.

Wie bist du anfangs damit umgegangen als du den Blick in deine Seele gewagt hast? 

Ich hatte Angst. Ich wusste nicht, wie ich damit klarkommen soll. Aber die Kunst hat mir beigebracht, nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung aufzuwachen. Ich habe die Angst visualisiert, ich habe sie umgewandelt – in Erfahrung, in Leidenschaft, in Kreatives. Denn Ängste sind nicht einfach Ängste. Ängste können auch Schutz und Vorsorge sein. Wenn man sich damit befasst, was Angst für einen bedeutet, ist Angst etwas Impulsives, was einen nach vorne treibt.

Interview: Josina Kelz 

Titelbild: Bastian Henneberg

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