Clickbaiting – 7

Skandal in der Gastronomie – Müssen Hannoveraner Angst haben?

Haben wir Sie mit der Headline geködert? Wenn ja, sind Sie soeben ein Opfer von Clickbaiting geworden. Leider müssen wir Sie nun enttäuschen, denn Sie werden hier keine Skandal-Story über die Gastronomie in Hannover finden. Wir wollten Ihnen Clickbaiting an einem Extrembeispiel vorführen. Ihnen ist das sicherlich schon öfter passiert, Sie haben es jedoch nie gemerkt – bis jetzt. Sie fragen sich nun: Was ist Clickbaiting? Die „Klickköder“ verstecken sich auf den verschiedensten Plattformen. Tagtäglich haben Sie es mit Clickbaiting zu tun, ohne das es Ihnen bewusst ist.

Clickbaiting – Das erbarmungslose Ködern der Nutzer

Clickbaiting hat nur ein Ziel: Möglichst viele Klicks zu generieren. Denn Klicks bedeuten Geld. Provokante oder skurile Überschriften gibt es nicht erst seit gestern – schon die Boulevard-Presse nutzt seit Jahren aggressive Headlines. Doch die Methoden die sich heutzutage im Netz verbreiten grenzen an Geschmacklosigkeit.

„Meine beste Freundin wollte mich umbringen“ oder „Die Wahrheit über…“. Mit solchen Überschriften sollen Nutzer animiert werden auf bestimmte Beiträge im Netz zu klicken. Diese Methode wird besonders aggressiv auf der Video-Plattform YouTube genutzt. Sie sind Clickbaiting wahrscheinlich auch schon zum Opfer gefallen, ohne es zu merken: Eine Überschrift hat Sie neugierig gemacht und um den Inhalt zu sehen, mussten Sie auf die Headline klicken. Und schon haben Sie jemandem durch Ihren Klick mehr Geld verschafft. Doch dann erscheint ein Inhalt der nicht den Erwartungen der Überschrift gerecht wird. Sie finden sich in einem Berg von Werbeanzeigen wieder und die erwartenden Information finden Sie, wenn überhaupt, am Ende der Seite oder in manchen Fällen gar nicht.

Es ist allgemein verbreitet dass die Medien von Aufmerksamkeit leben. Spitze Headlines und Aufreger gehören zu jedem gutem Journalismus dazu. Jedoch muss hinter aufregenden Titeln und polarisierenden Bildern auch ein Kontent mit gewisser Qualität stecken. Am Ende eines Artikels oder Videos, dürfen Rezipienten sich nicht ausgenutzt fühlen. Durch die sogenannte Neugierlücke (englisch: curiosity gap), besteht die große Gefahr bei den Lesern und Zuschauern eine Enttäuschung zu provozieren. Hier kann nicht mehr die Rede von qualitativem Journalismus sein.

Clickbaiting

So ködern YouTuber die Nutzer

Durch den Hype der YouTuber hat sich die Video Plattform deutlich verändert. Sie verdienen Tausende von Euros mit ihren „Make-Up Tutorials“ oder „Storytime Videos“ und möchten möglichst viele Aufrufe generieren. Denn jeder Klick heißt bares Geld. Um immer mehr Menschen für ein Video zu begeistern werden Superlative, wie das Beste, Geilste, Schönste, Unfassbarste und viele mehr genutzt. Außerdem stolpert man immer wieder über Beschreibungen wie „nicht verpassen“ oder „unbedingt anschauen“. Als Nutzer fällt man oft auf diese Tricks rein und eh man sich versieht, hat man schon auf das Video geklickt. Soweit ist auch nichts daran auszusetzen. Wenn jedoch der Inhalt des Videos weder „unfassbar“ noch „geil“ ist, macht sich die Ernüchterung bei den Nutzern breit.

„Erst vor kurzem bin ich auf Clickbaiting reingefallen, obwohl ich YouTuber überhaupt nicht verfolge und die Plattform höchstens mal nutze, um meine Photoshop Kenntnisse mittels Tutorials aufzufrischen oder um mir Musik anzuhören.“ erklärt Roya, PR- und Social Media Managerin. „Ich ging auf die Startseite von YouTube, wo sich eine große und völlig sinnfreie Auswahl an Videos befindet, welche einem von YouTube „empfohlen“ wird. Darunter war dann auch ein Video einer sehr bekannten YouTuberin mit dem Titel „Ich war schwanger mit 15„. Diese Überschrift hat sogar jemanden wie mich geködert, der sich eigentlich nicht mal für diese YouTuberin interessiert. Also sah ich mir über zehn Minuten lang ihr Video an. Fazit: „Ihre ehemalige Lehrerin hat sie in der 9. Klasse gefragt, ob sie denn schwanger wäre. Ich dachte mir: Ernsthaft!? Deshalb hast du gerade zehn Minuten meines Lebens gestohlen? Aber tja, selbst schuld, wenn man sich von solchen Überschriften ködern lässt.“

Clickbaiting

Selbst YouTuber sind vom Clickbaiting genervt

Auch der erfolgreiche Youtube-Star PewDiePie lässt regelmäßig Dampf ab und spricht das Thema Clickbaiting offen und ehrlich in seinen Videos an. Mit seinen 45 Millionen Abonnenten müsste er sich eigentlich keine Sorgen um Klicks machen, dennoch schadet Clickbaiting auch ihm. Rein persönlich ist er eigentlich gegen solche Methoden, muss sie aber selbst anwenden, um relevant für die Nutzermasse zu bleiben. In einem Video versucht er seinen Fans klar zu machen, dass er ohne Clickbait kaum Aufrufe erzielt. Neben diesem Video lädt er einige andere hoch, in denen er das Clickbaiting kritisiert und parodiert.

Seien Sie kritischer im Umgang mit Medien

Sie sehen selbst, dass es schneller gehen kann, als man denkt. Man muss nicht einmal aktiv bei Youtube sein um Opfer dieser Clickbait Methoden zu werden. Sie sollten sich in Zukunft immer einmal mehr überlegen, ob es wirklich interessant ist, wenn jemand eine Headline wie „Das werden Sie nicht glauben“ oder Dieses Produkt hat mich fast umgebracht“ nutzt. Selbstverständlich ist es schwierig der eigenen Neugier nicht nachzugeben. Heutzutage ist es aber fast schon sicher, dass Ihre Erwartungen am Ende nicht getroffen werden.

Das Einzige das am Ende erreicht worden ist, sind die Klicks für YouTuber, die sich durch leichte Arbeit viel Geld verschaffen wollen. Versuchen Sie in Zukunft mal ein paar Videos mit weniger provokanten Headlines anzuschauen. Eventuell erhalten Sie dann auch Inhalte mit einer gewissen Qualität. Denn niemand möchte sich am Ende eines Artikels oder eines Videos ausgenutzt fühlen. Sie sollten kritischer werden, wenn es um Inhalte im Internet geht und nicht auf die fiesen Methoden der Medienschaffenden einlassen. So werden Sie am Ende nicht enttäuscht und YouTuber müssen endlich mal wieder etwas für ihr Geld tun!

 

Text: Charline Winkel und Roya Moslemi

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