Tahmineh Akbar

Tahmineh Akbar – Hannovers Hebamme

Wöchentlich stellen wir Ihnen einen Hannoveraner mit einem besonderen Beruf vor. Vergangene Woche ging es um Rike Demuth, die Inhaberin von „Art of Beauty by Rike“. Heute möchten wir Ihnen die gebürtige Hannoveranerin Tahmineh Mirza Ali Akbar vorstellen. Sie ist 24 Jahre alt und hat im März 2016 ihre Ausbildung als Hebamme erfolgreich abgeschlossen. Heute arbeitet sie in einer Level 1 Klinik in Berlin mit rund 3.500 geburten im Jahr. Wir haben die Hannoveranerin mit persischen Wurzeln gefragt, wie man dazu kommt Hebamme zu werden und wie emotional dieser Beruf sein kann. Sie hat uns ihre Geschichte erzählt und diese möchten wir natürlich mit Ihnen teilen.

Liebe Tahmineh, wie kommt man dazu Hebamme zu werden? Ist das bereits als kleines Mädchen dein Wunsch gewesen?

Hebamme Tahmineh AkbarBereits in der ersten Klasse hat mich die Geburt von Lebewesen sehr interessiert. In der Schulpause habe ich mir dann immer und immer wieder ein Bilderbuch angeschaut, in dem die Geburt eines Fohlen dargestellt wurde. Das fand ich sehr interessant. Jedes Detail der Geburt wurde in dem Buch festgehalten. Andere Kinder hätten bestimmt Ekel verspürt, aber ich nicht. Ganz im Gegenteil.

Einige Jahre später wurde uns in der Schule der Beruf der Hebamme vorgestellt. Es hat mich so begeistert, dass man eine werdende Mutter bei der Geburt ihres Kindes begleiten kann und an dem intimsten Moment ihres Lebens teilhaben darf. Von da an war mir klar: Ich möchte Hebamme werden.

Hebamme zu sein bedeutet für mich sehr viel. Es ist meiner Ansicht nach kein Beruf sondern eine Berufung. Du bist als Hebamme nicht nur eine Fachperson, sondern auch eine Stütze, welche die werdenden Mütter und Väter bei diesem aufregenden und emotionalen Weg begeleitet. Wärend der Geburten merke ich immer wieder wie wichtig es ist, dass wir dabei sind.

Diesen Beruf stellt man sich sehr emotional vor. Hattest du einen sehr emotionalen Moment im Laufe deiner Karriere, den du bis heute nicht vergessen hast?

KrankenhausEs ist in jeder Hinsicht sehr emotional. Ich bin sehr dankbar diese Momente miterleben zu dürfen. Jede Geburt ist für mich etwas ganz Besonderes. Und bei einigen Geburten kullert mir auch mal die ein oder andere Träne herunter. Besonders wenn man die werdende Mutter eine längere Zeit begleiten durfte. Da kommt es häufig vor, dass man sich eine Art Beziehung aufbaut.

Der schönste und emotionalste Moment für mich war jedoch im Februar 2017. Die Geburt der Tochter meiner besten Freundin.  Es war das erste Mal, dass ich bei einer sehr nahestehenden Person die Geburt begleiten und erleben durfte. Es hat mich so begeistert wie viel Kraft in meiner besten Freundin steckt und wie sie die Geburt gemeistert hat. Ich war sehr stolz auf sie. In dem Moment kullerte mir mehr als eine Träne aus den Augen. Es war ein unglaublicher und emotionaler Moment, den ich bisher nicht im Laufe meiner Karriere erlebt habe. Nach diesem Ereignis hat sich meine Sicht über die Geburt nochmals sensibilisiert. Seit dem empfinde ich bei jeder begleitenden Geburt so viel Stolz für die Mutter und auch für das Paar.

Wie ist das Verhältnis nach der Geburt? Stehst du mit manchen der frisch gebackenen Müttern noch in Kontakt?

Hebammen und SchwangereIch arbeite an einer sehr großen Klinik mit ca. 3.500 Geburten im Jahr. Deshalb ist es manchmal schwierig eine richtige Beziehung zu den Müttern aufzubauen. Die meisten der Frauen sieht man leider nicht mehr wieder. Einige kommen aber auch zur nächsten Geburt in die selbe Klinik und dann freut man sich selbstverständlich, wenn man sie erneut trifft oder sogar bei der anstehenden Geburt dabei sein darf. Das kommt allerdings leider selten vor. Es gibt aber schon die eine oder andere Mutter, die ich auch nach der Geburt besuche oder auch zufällig irgendwo in Berlin treffe. Es ist jedoch bei einer Klinikhebamme eher eine Seltenheit mit den Frauen nach der Geburt in Kontakt zu stehen. Deshalb ist es meiner Ansicht nach sehr schön Beleghebamme zu sein. Man lernt die werdenden Mütter und werdende Eltern während der Schwangerschaft kennen, begleitet sie bei der Geburt und nach Wunsch auch im Wochenbett. Dadurch hat man mehr von der Betreuung und sammelt viel mehr Erfahrung.

Wie sind deine Pläne für die Zukunft? Möchtest du Hebamme bleiben?

Hebamme Tahmineh AkbarMein Ziel ist es die Arbeit in der Klinik zu reduzieren und auch freiberuflich mehr für die Vor- und Nachsorge tätig zu werden. Denn dadurch kann ich die Frauen näher kennenlernen und sie auch nach der Geburt wiedersehen, sowie die Entwicklung der Kinder miterleben. Das ist für mich ein sehr wichtiger Aspekt, welcher mir tatsächlich in meinem Klinikalltag fehlt. Mir macht die Begleitung im Wochenbett großen Spaß und ich hab mich in der Ausbildung besonders auf die Externate gefreut. Diese durfte ich in Hannover bei den freiberuflichen Hebammen erleben. Es war immer sehr aufregend mehrere Wochen die Familien zu besuchen und die vielen intimen Momente, die Glückserlebnisse, sowie die Entwicklung der Kinder zu beobachten. Andererseits möchte ich die Geburtsbegleitung auch nicht aufgeben, da mir dieser Teil auch sehr fehlen würde. Eine einheitliche Begleitung von Schwangerschaftsplanung bis hin zum Ende der Stillzeit, welches die Hebammenbetreuung im ganzen ausmacht wäre herrvorragend, ist aber leider selten möglich und schwierig mit dem Privatleben umsetzbar. Im Moment habe ich jedoch sowieso ein anderes und größeres Ziel vor Augen: Ein Medizinstudium mit dem Schwerpunkt Pädiatrie und Neonatologie.

Kannst du den Beruf als Hebamme weiterempfehlen?

Hebamme zu sein ist ein sehr schöner Beruf, welcher aber auch mit negativen Momenten verbunden sein kann. Denn Hebamme zu sein bedeutet nicht nur „süße Babys“ auf die Welt zu bringen, sondern auch schwierige Fälle zu begleiten. Ich arbeite in einer Level 1 Klinik, wo wir neben physiologischen Schwangerschaften auch viele Risikoschwangerschaften begleiten müssen. Denn nicht alle Schwangerschaften und Geburten verlaufen positiv. Neben den vielen schönen Momenten gibt es auch traurige Ereignisse die mit Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett verbunden sind. Deshalb ist es wichtig sich bewusst zu machen, dass man auch in diesen Momenten die Familien begleiten und für sie da sein muss.

Hebammen gibt es in jeglicher Form, seitdem es die Menschheit gibt und es ist eine ganz besondere Rolle, die man für die werdenden Mütter und Paare spielt. Für mich ist es eine Ehre mich als Hebamme bezeichnen zu dürfen und ich finde es wichtig, dass unsere Berufsgruppe gestärkt und aufrechterhalten wird. Deshalb kann ich den Beruf der Hebabamme nur wärmstens weiterempfehlen.

Wir danken Tahmineh Akbar ganz herzlich für das tolle Interview und wünschen ihr alles Gute für die Zukunft!

Interview: Roya Moslemi

Teilen Sie etwas Neues mit:

×