Hannover 96_Familie

Volkan Bulut – Hannover 96 Trainer ganz privat

Wer wollte als kleiner Junge nicht gerne Profisportler werden? Es gibt bestimmt auch einige Mädels unter uns, die sich eine Profikarriere im Fußball ausgemalt haben. Leider gelingt es nicht jedem, seinen Traum zum Beruf zu machen. Wir haben jemanden gefunden der es geschafft hat, sein Hobby zum Beruf zu machen. Volkan Bulut, 35 Jahre jung und Vollblut-Fußballer. Mit 29 Jahren war er der jüngste Co-Trainer in der Bundesliga. Doch es war ein holpriger Weg dorthin. Auch er hätte früher nicht gedacht einmal dort zu stehen, wo er nun ist. Wir haben den Profi-Trainer um ein Interview gebeten. Doch hier geht es nicht nur um Fußball, wir haben vor allem über sein Privatleben und seine Familie gesprochen. Seien Sie gespannt!

Das Interview mit dem Co-Trainer von Hannover 96

Co-Trainer bei 96, wie cool ist das denn? Erzählen Sie uns ein wenig von sich.

„Das ist es wirklich. Ich bin ein Hannoveraner Junge und bin hier geboren und aufgewachsen. Wie jedes andere Kind, bin ich zur Schule gegangen, habe Fußball bis zum Abwinken gespielt und kann auf eine glückliche Kindheit zurückblicken. Nach der Schule bin ich direkt in eine Ausbildung zum Industriekaufmann gestartet. Ich war dann im Vertrieb bei AEG Hausgeräte tätig. Danach bin ich in die Kaffeebranche gewechselt. Fußball gespielt habe ich parallel dazu immer noch.“

Trotz des Älterwerdens, Fußball war Ihr ständiger Begleiter, oder?

„Auf jeden Fall. So lange ich denken kann, ist Fußball ein fester Bestandteil in meinem Leben. Meine komplette Jugend habe ich bei Hannover 96 verbracht. Danach ging es zum SC Langenhagen, wo ich in der 4. Liga gespielt habe. Leider habe ich mir schon relativ früh eine Knieverletzung zugezogen und so rückte der Traum vom Profi-Fußballer erst einmal in die Ferne.“

Eigentlich ist eine Bein- oder Knieverletzung doch erstmal das Aus für die Fußball-Karriere?

„Jein, wenn man so viel Glück hat wie ich, dann nicht. Durch meine Verletzung bin ich sehr früh in die Trainer-Schiene gerutscht. Mit 26 Jahren ist man noch jung und könnte sich auch noch anders orientieren, für mich war aber klar: Ich will beim Fußball bleiben! Also habe ich nebenbei im Amateur-Bereich als Trainer angefangen. Zunächst bei einem Bezirksliga-Klub. 2011 bin ich als Co-Trainer von André Breitenreiter zum TSV Havelse gekommen und zwei Jahre später sind wir gemeinsam zum SC Paderborn gewechselt. Dort wurde ich dann, mit meinen damals 29 Jahren, zum jüngsten Co-Trainer im Profi Bereich in der 1. und 2. Bundesliga. Bis dato versteht sich. Heute geht der Trend definitiv zu immer jüngeren Trainern, was ich wirklich gut finde. Im Großen und Ganzen würde ich also sagen, dass meine schwere Verletzung Glück im Unglück war. Ich bin glücklich, so wie es ist. Wer kann mit 35 Jahren schon auf so viel Erfahrung im Profibereich zurückblicken?“

Was macht Hannover so einzigartig für Sie?

„Hannover bietet meiner Meinung nach einfach alles. Es gibt so viele Möglichkeiten und dabei sind die Wege kurz. Man kommt schnell von A nach B. Als ich nach den 4 Jahren wieder zurück nach Hannover gekommen bin habe ich erst gemerkt, wie sehr ich diese Stadt schätze. Hier gibt es so viel Grün und der Zoo hier in Hannover ist auf seine Art und Weise einmalig. Gerade wenn man Kinder hat bietet Hannover so vieles. Außerdem ist die Innenstadt nicht zu klein, aber auch nicht zu groß. Man kann wirklich gut shoppen gehen, aber auch mal schick und lecker Essen. Viele unserer Spieler und Kollegen aus dem Staff und dem Trainerteam kommen nicht von hier. Sie sagen: In Hannover verliebt man sich auf den 2. Blick.“

Hannover 96_Volkan Bulut

Und jetzt sind Sie wieder in Hannover, in der Heimat. Wie fühlt sich das an?

„Es fühlt sich definitiv richtig an. Hier in Hannover schließt sich der Kreis. Ich habe hier als Junge Fußball spielen gelernt und meine Erfahrungen in anderen Vereinen erweitert. Aber letztendlich geht es doch immer wieder zurück zum Ausgangspunkt. Die Profimannschaft bei Hannover 96 zu trainieren ist ein absolutes Privileg für mich. Aber auch privat hat sich in Hannover der Kreis für meine Familie und mich geschlossen. Hier sind wir bei unserer Familie und unseren Freunden. Es ist wirklich toll sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Das dann auch noch in der eigenen Heimat machen zu dürfen, setzt dem Ganzen die Krone auf.“

Wo Sie Ihr Privatleben ansprechen, wie steht Ihre Frau zum Fußball?

„Zu meinem Glück ist sie ein begeisterter Fußball-Fan. Größtenteils liegt das wohl daran, dass sie mit zwei Brüdern aufgewachsen ist, die ebenfalls Fußball gespielt haben. Dann war da natürlich auch noch ihr Vater, der ebenfalls Fan ist. So lag es nahe, dass sie eines Tages einen Mann mit dem Interesse an Fußball heiratet. Selbstverständlich ist sie durch und durch Hannover 96-Fan. Es ist wirklich schön, wenn man jemanden an seiner Seite hat, der die eigene Leidenschaft nachvollziehen kann. Es ist aber auch schön, über andere Themen mit ihr zu sprechen. Meine Kinder und sie lenken mich ab, wenn ich mal zu viel an Fußball denke.“

Wie sieht es mit Ihren Kindern aus – Wachsen da schon kleine Fußball-Profis heran?

„Tayan ist schon absolut fußballverrückt. Wenn dann noch mein Neffe Liyan da ist, gibt es kein Halten mehr. Die beiden toben sich wirklich gerne mit dem Ball aus. Das macht mich natürlich ganz stolz. Aber auch unsere Zwillinge Lara Su und Liza May spielen lieber mit Bällen und Autos und lassen die Puppen außer Acht. Ich glaube, das ist aber ganz normal, bei unserem Haushalt. Evrim und ich freuen uns auf die Entwicklung unserer Kinder und sind darauf mit jedem Tag gespannter.“

Kommt Ihre Familie dann auch mit zu Spielen und fiebert mit?

„Auf jeden Fall. Und das ist für mich immer ein ganz besonderer Moment: Wenn man zum Aufwärmen auf den Platz kommt und seine Familie auf der Tribüne sieht erfüllt einen das mit Stolz. Es sind wirklich alle dabei, ob Vater, Geschwister, Schwiegereltern oder die Kinder. Bei den Müttern in unserer Familie ist die Aufregung meist so groß, dass sie lieber zu Hause bleiben und uns vom Sofa aus anfeuern. Dann können Sie auch mal auf die Kinder aufpassen, wenn es doch etwas später wird. Ich bin wirklich dankbar für diese Momente und kann mich glücklich schätzen, so viele Menschen die mir wichtig sind, hinter mir zu haben.“

Wären Sie traurig gewesen, wenn Ihr Sohn sich überhaupt nicht für Fußball interessiert hätte? Oder was würden Sie tun, wenn er seine Interessen eventuell ändert?

„Natürlich ist es schön, wenn die Kinder sich für das begeistern, was die Eltern machen. Also wäre ich ganz klar ein wenig traurig gewesen. Ich versuche ihm, aber auch meinen Töchtern, das Positive vom Fußball spielen zu übermitteln. Dabei möchte ich meine Kinder aber nicht zwingen etwas zu mögen, nur weil ich das tue. Das sollen sie schon alleine entscheiden. Selbstverständlich würde es mich unglaublich stolz machen, meine Kleinen später auch auf dem Platz zu sehen. Aber da schauen wir was die Zukunft bringt.“

Nun sind Sie der Co-Trainer von André Breitenreiter. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

„André und ich haben schon öfter zusammen gekickt und haben uns auch auf Anhieb gut verstanden. Hannover ist trotz der hohen Einwohnerzahl ein Dorf. Gerade wenn man es aus der Fußballer-Sicht betrachtet, da kennt wirklich jeder jeden. Zu der Zusammenarbeit kam es letztendlich dadurch, dass André einen Partner für den Trainerjob in Havelse brauchte und ein gemeinsamer Freund ihn dann auf mich brachte. Als er mich anrief, musste ich nicht lange zögern und habe sofort zugesagt. Es gibt Chancen im Leben, die bekommt man wahrscheinlich nur einmal. Und diese war so eine. Ich würde sagen wir haben alles richtig gemacht. Immerhin können wir nun schon auf 7 erfolgreiche Arbeitsjahre zurückblicken.“

Was würden Sie sagen, ist Ihr größter und persönlichster Erfolg?

„Definitiv meine Frau. Sie hat mir drei wundervolle Kinder geschenkt und wir haben gemeinsam so viel aufgebaut. In den fünf Jahren, in denen wir nun zusammen sind, haben wir geheiratet, sind zu besten Freunden geworden und wollen nun auch ein Haus in Hannover bauen. Wir warten nur noch auf die Baugenehmigung, dann kann es los gehen. Mit dem Hausbau wird unser Leben hier in Hannover perfekt. Hannover ist und bleibt immer unser Anker im Leben.“

Mit welchen Schwierigkeiten hat ein Trainer im Alltag zu kämpfen?

„Zunächst kann ich nur wiederholen, dass es ein absolutes Privileg ist Co-Trainer bei Hannover 96 zu sein. Aber davon abgesehen besteht Fußball spielen natürlich nicht immer aus Siegen. Ich würde sagen, dass Niederlagen eine große Schwierigkeit für uns Trainer sind. Aber wenn man Vollblut-Sportler ist, weiß man damit umzugehen. Niederlagen gehören genauso dazu wie Gewinnen. Ich versuche dann mein Team zu motivieren. Man sollte immer ruhig und besonnen bleiben und niemals den Kopf in den Sand stecken. Wenn man zu viel über die Niederlagen nachdenkt, kommt man nicht darüber hinweg. Deswegen: Kopf frei bekommen und den nächsten Sieg nach Hause holen!“

Verraten Sie uns Ihren Wunsch für die Zukunft?

„Ich habe das Glück, schon vieles erreicht zu haben, was mich stolz macht. Dennoch gibt es eine Sache, die sich wohl jeder Trainer wünscht. Ich würde wirklich gerne einmal in der Champions League spielen. Auch wenn klar ist, dass wir aktuell noch sehr weit davon entfernt sind, wäre das wirklich mein persönlicher Traum: Mit Hannover 96 in der Champions League zu spielen. Das Erlebnis, mit Schalke 04 in der Europa League gespielt zu haben, macht mich noch heißer darauf. Wer weiß, eventuell wird das ja noch was. Lassen wir uns überraschen.“

Hannover 96

Interview: Charline Winkel

Titelbild: Volkan Bulut

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